Landschaftsfotografie kann so einfach sein: Man wandert durch möglichst wenig verschandelte Natur, zückt dann und wann die Kamera – möglichst mit Weitwinkelobjektiv, denn es soll ja ganz viel auf dem Bild zu sehen sein – und drückt auf den Auslöser. Für die Lieben daheim hat man so unstrittige Beweise, dass man da oder dort gewesen ist. Auch der über die Jahre verblassenden Erinnerung helfen solche Schnappschüsse unter Umständen auf die Sprünge. Man sieht die Bilder – und schon fühlt man sich wieder an den Ort zurückversetzt. Landschaftsfotografie kann so schwer sein: Auf einem zweidimensionalen, vergleichsweise winzigen Schnipsel Silizium oder Film soll man all das festhalten, was man im Moment der Aufnahme sieht, riecht, schmeckt, empfindet, um dem Betrachter zumindest eine grobe Vorstellung von dem zu vermitteln, was einem das Erleben dieser Landschaft bedeutet.
Geht es im ersten Fall vor allem darum, einigermaßen erkennbar zu dokumentieren, wo man war, ist im zweiten Fall die bewusste und zwangsläufig subjektive Interpretation des Gesehenen gefragt. Das im ersten Fall beschriebene »Fotografieren im Vorbeigehen« hat im Grunde genommen mit der zweiten, anspruchsvolleren Variante der Landschaftsfotografie nur die zugrunde liegende Fototechnik gemein, Motivation und Ziele unterscheiden sich grundlegend. Allerdings ist wohl noch nicht jedem dieser entscheidende Unterschied geläufig. Wie sonst kämen Aussagen zustande wie »Landschaftsfotografie – das kann doch jeder!« oder »Landschaften? Die fotografiere ich immer so nebenbei!«?
Mit dieser Einstellung kann man auch in atemberaubend schönen Landschaften erschütternd langweilige Bilder produzieren, während durch den bewussten Umgang mit Licht, die überlegte Wahl von Brennweite, Blende und Ausschnitt in den vermeintlich banalsten Landschaften großartige Bilder entstehen können. Für Fotografen, die Licht »lesen«, die Bildelemente als grafische Formen erkennen, ist es nahezu egal, wo sie ihre Bilder machen, denn wichtiger als der Ort, der gezeigt wird, ist die Stimmung, welche die Aufnahme vermittelt.
Diese Art von Fotografie erfordert es, sich auf die Landschaft einzulassen, förmlich in sie einzutauchen, denn nicht »Trophäen-Sammeln« ist gefragt, sondern das Entwickeln eines Standpunktes. Mit den Bildern in diesem Buch möchte ich Sie genau dazu motivieren. Ganz bewusst habe ich auf die großen Ikonen deutscher oder europäischer Landschaften verzichtet – kein Matterhorn, keine Zugspitze, kein Neuschwanstein, keine sanft gewellte Toskana im Morgenlicht. Stattdessen gibt es Münsterland und Schwarzwald, Ruhrgebiet und norddeutsche Tiefebene. Und das nicht, weil es da besonders schön ist, sondern weil ich zeigen möchte, dass gute Landschaftsfotografie wirklich überall möglich ist. Klassische Ausreden wie »Wenn ich da oder dort gewesen wäre, ja dann hätte ich auch tolle Fotos gemacht«, sind eben nur das: Ausreden!
Zuweilen könnte man den Eindruck gewinnen, Landschaftsfotografie befasse sich allein mit möglichst unberührter Natur. Abgesehen davon, dass es die in Mitteleuropa ohnehin so gut wie nicht mehr gibt, blendet man damit auch eine ungeheure Fülle spannender Motive aus: Städte, Dörfer, Felder, Weinberge, Obstwiesen, Industriekomplexe und Verkehrswege sind allesamt Bestandteile einer Landschaft. Von Menschen zuweilen über Jahrhunderte geformt, ist diese Art von Landschaft vielleicht nicht immer postkartentauglich, fotogen aber ist sie allemal.
Mit diesem Buch möchte ich Sie vor allem dazu anregen, Landschaft – ob weit entfernt oder vor der Haustür, ob Natur-, Kultur-, Stadt- oder Industrielandschaft – ganz bewusst mit der Kamera zu erforschen. Licht, Grafik, Farben, Blende und Brennweite sind die Zutaten, mit deren Hilfe Sie dann Ihre Sichtweise, Ihre Empfindungen und Stimmungen abbilden können. Wie das gehen kann, zeigen die zahlreichen Bildbeispiele im vorliegenden Buch.
Technik ist dabei im Übrigen zweitrangig. Die Beispielbilder entstanden mit höchst unterschiedlichen Geräten vom iPhone bis zur digitalen Mittelformatkamera. Weder die Marke noch der Preis einer Kamera entscheidet über die Qualität des Bildes. Ob ein Bild als »gelungen« oder eher als »nicht gelungen« wahrgenommen wird – verantwortlich dafür ist allein die Fotografin/der Fotograf.
Bonus-Seite für Buchkäufer Passend
zum Inhalt des Buches gibt es auf der Galileo-Site einige Filme zum
Download. Besitzer des Buchs erlangen Zugang zu diesem Bereich über den
im Buch enthaltenen Zugangscode. Derzeit sind drei kürzere Filme zu den
Themen "Blende & Schärfentiefe", "Selektive Schärfe",
"Zeitraffersequenzen", sowie als besonderes Hihglight zwei meiner
FotoTV-Filme und zwar zum Thema "Histogramm & Belichtung" sowie
"Naturfotos mit Licht gestalten". Demnächst wird es hier auch noch
einige Video-Tutorials zu Lightroom geben.
Dr. Martin Stock auf Amazon: Hans-Peter Schaub ist für viele ambitionierte Fotografen kein Unbekannter. Sei es als langjähriger Redakteur der Zeitschrift "fotoforum", als Chefredakteur der renommierten Zeitschrift "Natur-Foto", als Leiter von Foto-Workshops, als Autor von Bildbänden über seine Heimat, als Verfasser des Buches "Digitale Fotopraxis Naturfotografie", das ebenfalls im Galileo Verlag erschienen ist, oder spätestens nun, wo sein neues Buch "Fotoschule in Bildern - Landschaftsfotografie" auf den Markt gekommen ist.
Schon das Blättern in dem Buch motiviert, sich mit dem weit gefassten Thema Landschaft fotografisch auseinander zu setzen. Das Buch behandelt in einzelnen Kapiteln die verschiedenen Aspekte der Landschaftsfotografie. Die Palette reicht von der Fotografie in den Bergen, an Bächen, Flüssen oder Wasserfällen, in Sümpfen und Mooren, Wäldern, am Meer bis hin zur Kultur- und Industrielandschaft. Fotografie vor der Haustür - darauf legt Hans-Peter Schaub großen Wert: "Ganz bewusst habe ich auf die großen Ikonen deutscher und europäischer Landschaften verzichtet. Stattdessen gibt es Münsterland und Schwarzwald, Ruhrgebiet und norddeutsche Tiefebene."
Auf jeweils einer Doppelseite werden verschiedenen Aspekte der Landschaftsfotografie in den einzelnen Naturräumen dargestellt Die Aufnahmesituation wird in kurzen und ansprechenden Texten beschrieben und jedes Bild enthält genaue Angaben zu Technik, Bearbeitung und Aufnahmeort. Insbesondere die Angaben zur Technik helfen, die einzelnen Aufnahmen nachzuvollziehen. Neben den klassischen Kamera- und Objektivdaten werden auch die praktizierte Belichtungskorrektur und die eventuell verwendeten Filter (Pol-, Grau- oder Grauverlaufsfilter) beschrieben. Und wie es von einer Fotoschule zu erwarten ist, gibt es einleitende Kapitel, die sich mit Lichtführung, der Wirkung von Linien, Flächen und Farben, von Schärfe und Unschärfe und anderen Gestaltungsmitteln in der Fotografie auseinander setzen. In einem kurzen Anriss werden die Themen HDR- und Panoramafotografie sowie die Schwarzweiß-Fotografie dargestellt. Gut illustrierte und gut beschriebene Exkurse über technische Grundlagen wie Sensorgröße, Brennweite und Lichtempfindlichkeit sowie über Belichtung und Histogramm und Blende und Schärfentiefe runden die Darstellung der wenigen, aber wesentlichen Grundlagen für die Landschaftsfotografie ab. Mit seiner Fotoschule legt Hans-Peter Schaub ein "Motivationsbuch" vor, das jeden Fotografen anregen sollte, in die Landschaft vor der Haustür reizvolle fotografische Motive zu finden, zu gestalten und umzusetzen. Nur raus gehen muss man selber. Und wie für verschiedene Situationen dargestellt, bei jedem Wetter. Auch Regen und Wind sollten den Fotografen nicht abhalten, die Anregungen aus dem Buch aufzunehmen und eigene Bilder zu schaffen. Mich spricht das Buch an.
Volker M. auf Amazon: Landschaften gehören neben Menschen sicherlich zu den beliebtesten Motiven eines jeden Fotografen. Landschaften kann man zu jeder Jahres- und Tageszeit fotografieren und Motive gibt es in unendlicher Zahl. Aber was unterscheidet ein geknipstes Bild von einer gelungenen Fotografie? In seiner Fotoschule "Landschaftsfotografie" vermittelt Hans-Peter Schaub durch viele Beispiele, wie man Motive entdeckt und Landschaften in Bildern gestaltet. Und um es vorwegzunehmen: Es gelingt ihm hervorragend. Neben Tätigkeiten bei diversen Fotozeitschriften hat Hans-Peter Schaub schon mehrere Fotobücher mit Schwerpunkt Naturfotografie veröffentlicht. Mit seinem neuesten Werk geht er didaktisch neue Wege. Häufig beginnen Fotobücher mit ellenlangen Grundlagenkapiteln, die man in der einen oder anderen Weise schon häufiger gelesen hat, bevor das eigentliche Hauptthema, für das man das Buch eigentlich gekauft hat, behandelt wird. Dies ist hier anders: Grundlagen vermittelt Schaub nur in wenigen eingestreuten kurzen Exkursen, wenn dies auch wirklich sinnvoll ist. Auf jeder Doppelseite wird ein Thema mit einem oder zwei Beispielbildern vorgestellt. Alle Bilder werden ausführlich erläutert und detaillierte Aufnahmedaten (wie z.B. Technik, Nachbearbeitung, Aufnahmeort) helfen dem Leser, von den gelungenen Fotos zu lernen. Dabei ist es nicht zwingend erforderlich, dass man sich von vorne nach hinten durchliest. Das Herauspicken und Lesen macht Spaß und es ist sicherlich für jeden etwas Neues dabei. Der aus meiner Sicht wichtigste Themenbereich ist "Licht in der Landschaft". Hier erfährt der Leser in doppelseitigen Lektionen, wie er das Licht im Tagesverlauf optimal nutzt: Streiflicht, Spotlicht, Nebel und Blaue Stunde sind nur einige Stichworte. Neben dem "richtigen" Licht muss aber auch der Bildaufbau stimmen. In "Linie & Fläche" gibt Schaub Tipps zur Bildkomposition: Hoch- und Querformat, Position des Horizonts, Fluchtpunkte, Goldener Schnitt usw. Alle Themen hier aufzulisten, würden den Rahmen der Rezension sprengen. Das Inhaltsverzeichnis, das im Web verfügbar ist, gibt eine ungefähre Vorstellung von der Vielfalt an neuen Impulsen, die der Leser durch dieses Lehrbuch erhält. Mit Hilfe eines persönlichen Zugangscodes gibt es das Buch auch als Online-Version kostenlos für 7 Tage zum Reinschnuppern. Danach kostet der unbegrenzte Zugang 7,50 €. Kostenfrei dagegen ist das Videomaterial. In 5 Videos erläutert Schaub wichtige Themen aus seinem Buch: Licht in der Landschaft, Mit Licht gestalten, Blende und Schärfentiefe, Selektive Schärfe und Histogramm. Ein nettes Goodie. Mein Fazit: Ein rundum empfehlenswertes Lehrbuch ohne unnötigen Grundlagenballast. Aus der Praxis für die Praxis - so macht Schule Spaß. Es wäre allerdings schön, wenn der Verlag dem Buch für die nächste Auflage ein Hardcover gönnen würde. Es ist schade, wenn Eselsohren ein solches Nachschlagewerk verschandeln würden. Denn dieses Buch ist auch noch in Jahren lesenswert.